Keine Spatzen. Mehr.

Staats-Opern Air: Liebestod unterm Regenschirm
Die Spatzentafel wegen Ansteckungsgefahr geschlossen, die Spatzen haben sich auch irgendwann anderweitig umgesehen… und viel zu tun (die Spatzen und ich) auch – sehr lange kein Eintrag. Aber, heute einer, schöner als tausend Spatzen, sogar für mich:
Hab mich auch umgesehen, bei der langen Nacht der Museen in Berlin, landete aber bei der Staatsoper. Tristan und Isolde, auf den Vorplatz übertragen. Rummel-Plaste-Becher Bier und Liebestod, toll. (“Du willst Alkohol?”, fragte mein Begleiter. Ich: ”Hat Tristan beim Liebestrank auch als erstes gesagt – kein Alkohol, ich muss noch fahren. Und Isolde wollte keinen Zucker und keinen Möhrensaft, war grad auf Southbeach-Diät.” – Ich kriegte ein Bier.)
Schön, sehr schön. – Und dann kam König Marke. Und sah und sang und wollte doch nicht glauben, dass sein bester Freund ihn betrogen hatte und ihn verächtlich gemacht und ihm die Ehre genommen. – den besten Freund auch. Und verstand nicht, sie hätten ihn doch in Ruhe lassen können. Und manchmal regnete es, und manchmal weinten die Leute unter ihren Regenschirmen, und manchmal wisperten die Plastiküberwürfe, die die Oper den Zuschauern gegeben hatte, ganz mitleidig im Wind. Und alle wussten, dass niemand so viel Anstand und Ehre hat wie König Marke, der Betrogene.
Ich habe zum ersten Mal Rene Pape gehört.
Danach bin ich gegangen, stand gegenüber unter einem Baum, und sogar die Stare schrien noch ganz aufgeregt.
Ich weiß also nicht, wie es diesmal ausging, was Wagner wollte, ist mir egal. Ich hoffe nur: Dieses eine Mal ist Marke nicht gefahren, Tristan zu verzeihen – dabei kommt er sonst immer um. Und die beiden andern – die sind hoffentlich wie üblich tot. Sie haben es sich verdient.
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