Dror or non dror – that´s the question
Lange nicht geschrieben, ja. Noch immer keine Spatzen, ja.
Ich war heute auf einer Vernissage gegenüber dem Urban-Klinikum in Neukölln. Israelischer Künstler, und ich war da, weil ein mir bekannter Boulevardjournalist von einem Leser alarmiert worden war – weil, dieser israelische Mann malt Hakenkreuze in seine Bilder! Tjaa. Diese Juden, und auch noch antisemitisch sind sie dazu!
Künstler, Zvi (73), hat ein Bild, auf dem Belorus steht (und Kreuzberg), man sieht eine irrwitzig bunte Leichengrube und dunkle Soldaten darüber, seine Familie bis auf die Eltern, die Aliya machten, als es noch gar keine gab und auch kein Israel, in den 1930ern, die ist umgekommen. Und in der linken unteren Ecke des Bildes ist ein Hakenkreuz. Mit Schuhchen draufgemalt, damit sich auch das Hakenkreuz nicht wehtut.
Verzeiht die Frage, aber wieso darf das so sein: Dass ein übler Verleumder irgendwen am Boulevard anruft und behauptet, da täte jemand Hakenkreuze verbreiten, sogar die israelische Botschaft täte gegen die Ausstellung einschreiten (so ist das geschehen – israelische Botschaft wusste aber von gar nix.)? Sagt der Künstler, ist ihm in Prag auch schon passiert. Dieses Mal hat er wenigstens beim Boulevard einen am Apparat gehabt, der wirklich nachfragt… Ausstellung ist übrigens richtig gut…
dror Ha-dror.
Britannia rules
Und man geht so im Hyde Park (die haben da eine Rotten Row, sieht aber eigentlich ganz okay aus. Die Household Cavalry reitet da manchmal – Haushalts-Kavallerie, da denke ich an eine Putzfrauen-GSG9. Wär gar nicht übel, für meine Wohnung

Hyde Park, Teatime
Werd aber wohl doch den Kampf gegen Keime ohne berittene Unterstützung aufnehmen müssen…) – man geht also im Hyde Park, und auf einmal kommen einem Hunderte von Vögeln entgegen – Enten und Gänse und Spatzen und Mandarinenten und Tauben und Tauben und Tauben und Kraniche, oder so Ähnliches. Es kann nur drei Gründe geben: Sie fliehen vor einem Erdbeben. Sie haben, wie bei Hitchcock, die Frühstücksei-Esser satt und greifen an.
Oder: Es ist Teatime.
Sie zogen alle zu einer älteren Dame, die aus dem Rollkoffer Nüsse und Brot und Samen verteilte. Ohne Angst (die Vögel), im Gegenteil, drei Enten waren absolutely annoyed, weil ich im Weg stand… Sie kommt da wohl jeden Nachmittag hin, weil sie lieber Vögel füttert als mit Menschen redet.
Und ich hatte mich so angenehm skurril und schrullig gefühlt, weil ich in Berlin mal ein paar Spatzen gefüttert und ein Spatzenblog habe… Ach, London… (Pardon? Bzw. paddn – Das Wort, das ich am häufigsten dort hörte. Die reden da nämlich doppelt so schnell.)
Kleiner Urlaubsgruß von Spatzen
Ich möcht ja wirklich noch einige Tage Spatzenpause; gibt andere schöne Dinge. Aber, das fand ich heute: Spatz – das ist keine Gattung, sondern ein Lebensstil… Alle wollen ein bisschen Spatz sein. Die Straußen (griechisch struthio, großer Spatz, s.u.), und auch die Taufliege.
Bisschen auf The Interactive Fly gespielt, einem Portal für Drosophila-Forscher. U.a. mit den Namen sämtlicher Taufliegen-Mutationen. Und traf dort die Drosophila-Mutation Dror – eben, das ist der hebräische Name für alle Shperlen, Spatzen, Worobejtschikisses.
Weitere schöne Namen dort: Gengis Khan. Bruchpilot. Huckebein. Schnurri. Bruno.
Kater, übernehmen Sie…
…die Spatzen haben Urlaub. Die schwirren nur unangenehm in meinem Kopf herum, und sie picken, die Biester…
Bin Opfer der Berliner Kultur geworden (und von hyperaktiven Besuchern). Museumsnacht, 16 Uhr Alsterwasser auf dem Oldtimer-Bötchen am Hafen am Hbf (und Freddy Quinn, Junge, Junge); vor der Staatsoper Rene Pape gehört, („Tristan und Isolde“ warn auch da, s.u.), Zaubertrank Bier in Plastebecher; winziges Otto Weidt-Museum in der Rosenthaler (muss ich mal mehr zu schreiben) und Schorle; Dom; Cocktails auf dem Schlossplatz gegen 2; anschließend Böhmisches Viertel bei Nacht (kein Budweiser) mit Comenius-Garten.
Sonntag nachmittags Trinkhalle Hasenheide (Foto folgt) und Park, Apfelschorle (!), tout Neukölln gesehen (mit Rädern und Rollstühlen, Kinderwagen und Krücken) und irgendein großes Gebüsch, das Blasmusik spielte. Es war aber nur der Max, der dahinter Posaune übte, weil er das wegen der Nachbarn nicht zuhause darf; Kino – endlich, Monate zu spät, “Berlin Calling“, beschwingt depressiv („ne, dit is melancholisch“ – O-Ton BC), und Oranienstraße, Oranienstraße, Oranienstraße. – Montag Kater.
Alles für die Bildung… Und so ist Berlin Calling:
Keine Spatzen. Mehr.

Staats-Opern Air: Liebestod unterm Regenschirm
Die Spatzentafel wegen Ansteckungsgefahr geschlossen, die Spatzen haben sich auch irgendwann anderweitig umgesehen… und viel zu tun (die Spatzen und ich) auch – sehr lange kein Eintrag. Aber, heute einer, schöner als tausend Spatzen, sogar für mich:
Hab mich auch umgesehen, bei der langen Nacht der Museen in Berlin, landete aber bei der Staatsoper. Tristan und Isolde, auf den Vorplatz übertragen. Rummel-Plaste-Becher Bier und Liebestod, toll. („Du willst Alkohol?“, fragte mein Begleiter. Ich: “Hat Tristan beim Liebestrank auch als erstes gesagt – kein Alkohol, ich muss noch fahren. Und Isolde wollte keinen Zucker und keinen Möhrensaft, war grad auf Southbeach-Diät.“ – Ich kriegte ein Bier.)
Schön, sehr schön. – Und dann kam König Marke. Und sah und sang und wollte doch nicht glauben, dass sein bester Freund ihn betrogen hatte und ihn verächtlich gemacht und ihm die Ehre genommen. – den besten Freund auch. Und verstand nicht, sie hätten ihn doch in Ruhe lassen können. Und manchmal regnete es, und manchmal weinten die Leute unter ihren Regenschirmen, und manchmal wisperten die Plastiküberwürfe, die die Oper den Zuschauern gegeben hatte, ganz mitleidig im Wind. Und alle wussten, dass niemand so viel Anstand und Ehre hat wie König Marke, der Betrogene.
Ich habe zum ersten Mal Rene Pape gehört.
Danach bin ich gegangen, stand gegenüber unter einem Baum, und sogar die Stare schrien noch ganz aufgeregt.
Ich weiß also nicht, wie es diesmal ausging, was Wagner wollte, ist mir egal. Ich hoffe nur: Dieses eine Mal ist Marke nicht gefahren, Tristan zu verzeihen – dabei kommt er sonst immer um. Und die beiden andern – die sind hoffentlich wie üblich tot. Sie haben es sich verdient.
Man müsste…
…eigentlich mal etwas über Spatzen schreiben…Aber nachdem ich vom NaBu hören musste, dass man mit Gesundfutter (gegen die Gewichtszunahme) vielleicht Seuchen verbreitet.. Außerdem zu viel zu tun gehabt.
Aber Montag wieder. Spatzentag.
Ich = Vogelmörder?
Das schreibt der NABU heute :
„Seit Mai sterben in Deutschland massenhaft Grünfinken.“ Und Buchfinken. Und Hausspatzen. Wiki wusst es früher…
Trichomonas gallinae, ein Einzeller, der die Kleinen ersticken lässt. Was dumm ist von einem Parasiten, weil er sich dann nicht mehr vermehren kann. (Darüber gibt es so viele Studien von Mathematikern, dass ich kein Link suche.) Das „erste infektiöse Massensterben von Vögeln, das weite Teile Deutshlands betrifft“, sagt der NABU. 200 nachgewiesene Fälle bis jetzt – und was hat schon für Panik gereicht bei der Vogelgrippe…
Krankheitserreger tauchte vor einigen Jahren einmal in England auf, das sagt Dr. Markus Nipkow vom NABU (in Großbritannien gibt es dauernd Studien, dass der Spatz ausstirbt. Sicher Zufall.)
Trichomonas vermehrt sich, wie bei jeder Epidemie, gerne dort, wo Menschen oder Spatzen zusammenkommen – Jahrmarkt. Brunnen. Vogeltränke. Futterstelle.. Die Nord-Neuköllner Spatzentafel ist geschlossen.
Das ist auch der Rat des NABU: Keine Futterstellen, keine Tränken mehr. Ich hatte wirklich Pläne zu einer Quarantäne-Station – warum sollen die krank sein und hungern? – aber das ist nicht zu schaffen, da sind Spatzen zu unabhängig. Spatz=Freiheit…
Und ich fühl mich, wie der Geist, der stets das Gute will und Böses schafft…
Spatz = Freiheit
Nachlässig gewesen, nicht geschrieben. Und heut wär ich vor der Neuen Synagoge (ich sollt einem Berlin-Besucher was Schönes zeigen) fast auf einen Spatzen getreten, einen ganz kleinen. Sie schlagen, gerade flügge, immer mit den Flügeln und sperren den Schnabel auf, weil sie zu faul sind, selber zu fressen, und die Älteren sie immer noch füttern. Machte der Kleine auch.
Dabei fiel mir ein, dass Spatz Hebräisch dror heißt. Freiheit heißt auch dror. Und in der typischen constructus-Verbindung im Hebräischen wär dann dror dror entweder die Spatzenfreiheit (bin ich für!).
Oder der Freiheitsspatz. Eine Siegessäule, und obenauf ein riesiger vergoldeter Bronzespatz – das wäre mal ein demokratisches Monument, viel hübscher als die NS-Betonbroiler, die hier überall in Berlin noch herumhängen.
Spatzen für Freiheit, Geselligkeit, Libertinage (Cicero meinte wenigstens, die wären alle wollüstig. In Wirklichkeit sind sie monogam, so lang es geht. Na ja, und solang keiner fremdgeht)
Und Mut. Der „freche Spatz“ im Deutschen stimmt nicht, die Kleinen gehen bei der Futtersuche nur unglaubliche Risiken ein, weil sie in guten Zeiten drei bis vier Bruten im Jahr durchbringen und ihren Kindern was bieten wollen.
Liebe Leute, der Spatz, der euch aus der Hand frisst im Cafe, der kann euch wahrscheinlich nicht ausstehn. Der will Futter für seine Kleinen. Spätzinnen sind da auch meist mutiger, habe ich so gesehen – deshalb eben.
Ein Land mit Spatz als Wappenvogel – ich tät stolz drauf sein.
(Und ich muss mal wieder vernünftig schreiben.)
Linguistik
Nachbarskatze, schwarz-weiß-gefleckt, lauert gern an der Neuköllner Spatzentafel. Das ist für sie Counterstrike und Börsenspekulation in einem - „Adrenalin pur“ (brrr, hätte ich fünf Euro, ich steckte sie ins Phrasenschwein. Hätte ich ein Phrasenschwein). Die Spatzen sind aber zu schlau für sie.
Ich rede natürlich mit ihr, überzeugt, als digital immigrant, vom Wert der Kommunikation. „Mein lieber Felix“ (NB. – ist es nicht diskriminierend, wenn ich von einem Kater als Katze rede, und sollte man nicht die Form Katze/r wie Student/in einführen?).
„Mein lieber Felix, das ist Spatzenfutter.“
Katze/r war einverstanden. Nur meinte ich die Erdnüsschen als Futter für Spatzen.
Er meinte die Spatzen. Als Futter.
Spatzen im Weinschaum?
Einen Moment lang hatte ich wirklich gedacht…
http://www.essen-und-trinken.de/rezept/158581/spatzen-mit-weinschaum.html
Ist aber auch nur so etwas wie die berühmte Leipziger Lerche. Und in Köln muss ja auch kein Halver Hahn um seine ganze Existenz fürchten.
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